Der Clubabend Juni 2017


Am 1. Juni 2017, sprach zu uns Prof. Dr. Dr. Ulrich Hemel  im Skoada Zentrum Krefeld, ein Autohaus der 

Tölke + Fischer Gruppe, Gatherhofstraße 5, 47804 Krefeld

 

Thema: "Wertschöpfung, Wertschätzung, Unternehmenskultur in Einklang bringen..."

 

Oder diese Geschichte: BCG berät einen deutschen Konzern, der in Schwierigkeiten steckt. Drastische Einschnitte sind unausweichlich. Bei einem Privatissimum im Büro des Vorstandsvorsitzenden blättert Hemel in dessen Terminkalender und sagt: »Sie reisen zu viel, die Belegschaft braucht Sie jetzt hier vor Ort.« Dass Hemel als junger Berater die Chuzpe hatte, einen Kunden so anzugehen, das bewundert Martin Koehler, Geschäftsführer der BCG, noch heute.

 

Ulrich Hemel war immer der Jüngste, der Erste, der Beste – ein Überflieger. Er beherrscht fast zehn Sprachen, verfügt über einen Schatz an Wissen und solides Selbstvertrauen. Er ist ein Mann der Wirtschaft und zugleich ein Schöngeist, der Italienisch lernte, indem er Dantes Göttliche Komödie in einer zweisprachigen Ausgabe studierte.

 

Lässt man sich Hemels Lebenslauf faxen, steht das Gerät eine ganze Weile nicht still. Einen kleinen Packen spuckt es aus mit Daten einer bemerkenswerten Karriere: Studium der Theologie, Philosophie, der Sprach- sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Mainz und Rom, Abschluss mit »summa cum laude«, Päpstliche Goldmedaille, Doktorat in Regensburg »summa cum laude«, Habilitation, Privatdozent, Akademischer Rat, Gründung einer eigenen IT-Firma (EcclesiaData), Unternehmensberater, daneben außerplanmäßige Professur für Religionspädagogik in Regensburg, Eintritt in die Paul Hartmann AG, dort dann Vorstandschef, Veröffentlichung des Buches Wert und Werte –Ethik für Manager, das eine Zeitung als »Wirtschaftsbuch des Jahres« auszeichnete, schließlich Chef bei der Süddekor-Dakor-Gruppe, einem Zulieferer der Möbel- und Laminatindustrie.

 

Die jüngste Station ist noch gar nicht aufgeführt: Am 1. April wird Ulrich Hemel, 51, Präsident der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der einzigen katholischen Hochschule auf deutschem Boden. Ein Vorfrühlingstag in Eichstätt, dem heimeligen Bischofssitz nahe Ingolstadt. Die Sonne scheint in Hemels künftiges Arbeitszimmer in der ehemaligen erzbischöflichen Sommerresidenz. »Der Blick in den Hofgarten ist toll«, schwärmt er.

 

In dem Büro mit der schönen Stuckdecke herrscht einige Unordnung, Umzugskisten stehen auf dem Boden herum. Wenn man die abgeschabte Sitzgruppe sieht, in der Hemels Amtsvorgänger Ruprecht Wimmer seine Gäste hat Platz nehmen lassen, hat man den Eindruck, dass eine frische Brise der Hochschule guttun könnte. Kann sein, dass daraus ein Sturm wird, wenn Hemel loslegt.

 

Die Richtung, in die der Wind die Universität treiben soll, hat Papst Benedikt XVI. vorgegeben. Die Uni mit ihren 4600 Studierenden und 120 Professoren soll aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen und helfen, dem deutschen Katholizismus in Zeiten fortschreitender Säkularisierung Richtung und Ziel zu geben.

 

Als Sechsjähriger fragte er sich, ob man alle Bücher der Welt lesen kann Ein Personalchef würde sich mit Hemels Lebenslauf schwertun. Der Mann machte vieles gleichzeitig, pendelte zwischen Universität und Wirtschaft, zwischen abhängiger und selbstständiger Tätigkeit hin und her, wechselte die Branchen. Zieht man darunter einen Strich, könnte man sagen, Hemels Leben ruht auf zwei Säulen: Wissen und Glauben.

http://www.zeit.de/2008/14/P-Hemel