Der Clubabend Juli 2017


Heinemann, der an der Hochschule Niederrhein das eWeb Research Center leitet, gehört zu den konstruktiven Kritikern des Digitalstandorts NRW: Das Land habe eine der schlechtesten Netzinfrastrukturen Europas. Beim Thema mobiles Internet und Glasfaser-Breitband belege das Land die hinteren Plätze. Zudem habe das Land als ausgewiesener Medien- und Wirtschaftsstandort "bisher keine der hundert weltweit größten oder wichtigsten Internet-/E-Commerce-Firmen hervorgebracht".

Erklärt hat uns das Prof. Dr. Gerrit Heinemann in seinem Vortrag

„Die Neuerfindung des stationären Handels“, am 6. Juli 2017, bei Held Wohnkomfort Schwittay

Ein kurzer Ausschnitt aus einem Vortrag sehen Sie hier: https://youtu.be/pCgUkRYwzKk

 

Prof. Dr. Gerrit Heinemann:

„Die Neuerfindung des stationären Handels“, am 6. Juli 2017, bei Held Wohnkomfort Schwittay

 

Heinemann fordert für NRW einen Universitätsstandort ähnlich der Stanford University im Silicon Valley, der Kräfte bündelt und eine Schlüsselrolle für die Entwicklung der Digitalen Wirtschaft übernimmt. Fokussierte Studiengänge, gezieltere Fördermittel, Startup-Schmieden sowie risikofreundlichere Finanzierungshilfen könnten da Abhilfe schaffen.

An der Hochschule Niederrhein gründete er 2010 mit zwei Kollegen das eWeb Research Center, das Analysen zum online-induzierten Kaufverhalten erstellt. Heinemann ist zudem mit seinem Team der wissenschaftliche Mastermind des Projekts MG bei Ebay (Quelle: RP)

Hat der stationäre Handel in Deutschland eine Zukunft? Diese Frage beschäftigt wie kaum eine andere derzeit die Handelsexperten und E-Commerce-Forscher. Zwar passiert Handel hierzulande zum allergrößten Teil immer noch im Laden und 2016 sind immerhin noch rund 89 % des Einzelhandelsumsatzes dort gemacht worden. Im Non-Food-Handel wurden jedoch nicht einmal mehr 80 % der Erlöse offlin erzielt, Tendenz weiterhin stark abnehmend. Insofern steigt der Leidensdruck und die Zeit wird langsam knapp.

Dennoch ist das Problembewusstsein für den „schleichenden“ digitalen Wandel vielfach noch unzureichend ausgeprägt. So zeigt beispielsweise eine aktuelle Erhebung von Locafox, dass selbst

27 % der Top-100-Einzelhändler immer noch nicht online verkaufen. Von den 73 % mit Online-Shop verfügen allerdings 87 % nicht über eine mobile-optimierte Website und nur 53 % der Einzelhändler stellen ihren Kunden Informationen über eine App bereit. Demgegenüber sind bereits mehr als 77 % der erwachsenen Deutschen im mobilen Internet unterwegs und wünschen sich dort mehrheitlich bessere Einkaufsmöglichkeiten. Insofern kann die Eingangsfrage nur unter der Voraussetzung mit einem Ja beantwortet werden, dass der stationäre Handel auch digital die Kurve kriegt. Denn während im englischsprachigen Raum bei stationären Händlern sogenannte Multi-Channel-Services wie zum Beispiel Online-Verfügbarkeitsabfrage, Click & Collect sowie Online-Artikelreservierung bereits zum Standardprogramm zählen, ist die Mehrzahl der deutschen Top-100-Einzelhändler an dieser Stelle völlig blank. Und das, obwohl die meisten Omni-Channel-Konzepte hiesiger stationärer Händler nur eine Vorstufe für den Handel der Zukunft darstellen. Sie greifen deswegen zu kurz, weil dabei in der Regel nicht der Ladenraum selbst, sondern fast nur der Weg übers Netz ins Geschäft gesehen wird. Der stationäre Handel muss auch den Laden völlig neu anpacken und auf sämtliche Nutzungsmöglichkeiten für das Smartphone einstellen. So wie im Amazon Bookstore und bei Amazon Go, mit denen der größte Online-Händler der Welt gerade den stationären Handel neu erfindet und das Paradebeispiel für einen Smartstore liefert.

Gerrit Heinemann, Mönchengladbach (Auszug aus dem Vorwort seines neuesten Buches: Die Neuerfindung des stationären Handels)

Ein kurzer Ausschnitt aus einem Vortrag sehen Sie hier: https://youtu.be/pCgUkRYwzKk